Die Niederlande machen es vor
Um Klimaneutralität zu erreichen, braucht es mutige Erfinder und vor allem spendable Investoren. Neue Ideen und Techniken sind zu Beginn meist kostspielig, Einzelproduktionen sind in erster Linie teure Unikate. Doch es lohnt sich – auf allen Ebenen! Im Kleinen wie im Großen. Die Welt braucht mehr moderne Innovationen, die der Umwelt nicht weiter schaden und die nachkommenden Generationen ein Stück weit entlasten.
Die Niederländer scheinen Deutschland im Hinblick auf umweltfreundliche und sogar klimaneutrale Bestattungen einige Längen voraus zu sein. Neben der Resomation, welche in den Niederlanden in naher Zukunft zugelassen werden soll, wurde im Dezember 2019 das weltweit erste klimaneutrale Krematorium eröffnet.
Erstes klimaneutrales Krematorium
In dem niederländischen Dorf Beesd, fast mittig gelegen zwischen Utrecht, Nijmegen, Eindhoven und Rotterdam wurde am Ende des Jahres 2019 ein Stück Zukunft errichtet.
Das Krematorium ´t Lief ist ein rundum durchdachtes Projekt, nicht alleine der elektrische Einäscherungsofen und seine Stromversorgung sind schonend für die Umwelt, auch beim Bau des Gebäudes sowie der gesamten Anlage wurde auf Klimaneutralität geachtet. Der Häuserkomplex wurde aus in Deutschland produziertem CLT-Holz (Brettsperrholz) gefertigt. Die Fassadenkonstruktion ist faszinierend: Während man von innen einen schönen Blick auf die Landschaft hat, bleibt die Sicht in den Innenraum des Gebäudes von außen verwehrt. So kann sich die Trauergemeinde uneingeschränkt und frei fühlen, während gleichzeitig durch den undurchsichtigen Schutz von außen ein Gefühl von Sicherheit vermittelt wird.
Individualität und Design treffen Nachhaltigkeit
Die Landschaft um das Krematorium herum wurde neu angelegt, wie zum Beispiel ein Erdwall, der die Sicht auf und von der Autobahn vereitelt, sowie ein künstlich angelegter See. Dieser trennt das Hauptgebäude, welches einen Servicebereich und Abschiedsräumlichkeiten umfasst, vom Einäscherungshaus. Verbunden sind die beiden Gebäude durch eine Brücke über den See – ein schöner, symbolisch letzter Weg, den die Hinterbliebenen mit ihrer oder ihrem Verstorbenen gehen dürfen.

Ein gutes Gefühl zu vermitteln, der Trauergemeinschaft einen intimen, persönlichen und auch genussvollen Abschied zu ermöglichen, ist ein großer Wunsch von Stephan Kroezen, dem Gründer von ´t Lief. Dafür hat er ein allumfassendes Konzept entworfen, welches vor allem Kremationen als Massenabfertigungen ausschließt. In ´t Lief können täglich drei Feuerbestattungen mit jeweils 80 Gästen abgehalten werden, einzelne Kremationen ohne Trauergemeinden werden zusätzlich durchgeführt.
Elektrischer Kremationsofen
Das Herzstück des Krematoriums bildet der elektrische Einäscherungsofen samt seiner klimaneutralen Stromversorgung. Der Ökostrom für ´t Lief wird durch Sonnenenergie mithilfe von 300 Solarpanelen gewonnen. Diese befinden sich nicht allein auf den Dächern des Krematoriumskomplexes, auch das Nachbarhaus ist in das Energiegewinnungsnetz eingebunden. Energie aus Sonnenkraft wird für den Ofen genutzt und die Abwärme des Ofens wird zum Beheizen der beteiligten Häuser und deren Wasserversorgung weitergeleitet. Der fast frei im Raums stehende Einäscherungsofen ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit des Ofenherstellers IFZW aus Deutschland und dem Elektronikkonzern Bürge Fisher aus der Schweiz; und der erste seiner Art in den Niederlanden. In den niederländischen Medien machte Kroenzen deutlich, dass er es für unmoralisch hält, im Jahr 2019 noch neue gasbetriebene Krematorien zu erbauen. Darüber hinaus beschreibt er die hauseigene Filteranlage als so effektiv, dass die Luft, die in den Außenbereich gelangt, sauberer sei als die, die wir in der Regel einatmen. Klar ist aber auch, dass eine häufige Nutzung der Anlage die ökologische Effizienz steigert. Es ist somit notwendig, dass neben den ca. 2,5 stündigen Verabschiedungsevents auch noch weitere Verstorbene kremiert werden.










