Warum kreiswärts?

Wir Menschen sind ein Teil der lebendigen Oberfläche der Erde – der Biosphäre. Wir sind untrennbar in ihre Gesetzmäßigkeiten eingebunden, auch wenn wir uns in urbanen Welten so sehr davon abgrenzen, dass wir Natur als Kulisse empfinden und uns mit Plastikoberflächen, Funktionskleidung und Desinfektionsmitteln umgeben.

Wir entstehen aus den Bausteinen der Biosphäre, wir leben von ihr und unser Körper ist endlich. Wenn er stirbt, tut er das, was alle gestorbenen Körper tun, sei es ein Käfer oder eine Blume, ein Elefant oder eben ein Mensch: Er zersetzt sich.

An keinem anderen Punkt im modernen Leben wird klarer sichtbar,
dass wir Teil der Biosphäre sind.

Denn die biochemischen und bakteriellen Prozesse, die uns am Leben gehalten haben, laufen weiter, wenn wir tot sind. Nur in die andere Richtung – sie zersetzen den Körper in die kleinsten Einzelteile und stellen diese für neues Leben zur Verfügung.

Genau deshalb bestatten wir die Toten. Weil wir Abschied nehmen von einem menschlich verkörperten Leben in Form unserer Eltern oder Geschwister, Freunde oder Geliebten. Aber auch, weil das Leben – betrachtet als gesamtes Prinzip der Biosphäre – auf einer anderen Skala weitergeht.

Dort, wo der Kreislauf endet und von neuem beginnt,
treffen sich Abschiednehmen, Auseinanderfallen, Loslassen, Trauern
und Trösten, Umwandeln, Zusammensetzen, Neubeginnen.

Die Biosphäre ist eine lebendige „Recyclinganlage“ mit komplex verwobenen Kreisläufen, in denen die Bausteine des Lebens immer wieder neu zusammengesetzt werden. Der Tod ist die Voraussetzung dafür. Je mehr wir dieses Grundprinzip jedoch ignorieren und uns als außerhalb dieser Kreisläufe stehend begreifen, desto stärker werden Verhaltensweisen und Verfahren vorangetrieben, die sich enorm problematisch auf Lebensgrundlagen, auf wirtschaftliche Systeme, das Zusammenleben und die seelische und körperliche Gesundheit auswirken.

Im Bereich der Bestattung zeigen sich diese Auswirkungen konkret in: Bodenbelastung, Bodenverarmung, hoher Energie- und Ressourcenbedarf, (Gift-)Müll, hohe CO2-Emissionen, globale Lieferketten, Intransparenz, Entfremdung und in der Folge Tabuisierung und Wissensarmut.

Deshalb schreiben wir diesen Blog:
Um zu informieren, Denkprozesse und Veränderungen anzustoßen. Alle, die sich über Möglichkeiten der Bestattung informieren wollen, weil sie für sich selbst einen nachhaltigeren Weg suchen, werden hier fündig.

Denn die gute Nachricht ist: Es gibt sinnvolle nachhaltige und schöne Produkte und Verfahren, die keinen oder zumindest nicht so viel Schaden an natürlichen Systemen anrichten. Sie können sogar einfacher, freundlicher und tröstlicher sein, weil sie ein Verständnis für die Eingebundenheit des Menschen transportieren. Man muss nicht alle Stellschrauben drehen. Auch wenn man nur eine einzige bewegt, macht das einen Unterschied.

Wenn wir unsere Endlichkeit akzeptieren und ein breiteres Verständnis der zirkulären Zusammenhänge erlangen, können wir unsere Haltung und unser Handeln den Mitwesen und dem Planeten gegenüber ändern. Wir können das Leben umso mehr wertschätzen, schützen und Teil davon bleiben.

Anja Nitschke, Juli 2025

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