Asche verstreuen ist doch Einswerden mit der Natur, oder?
In den Dünen oder auf einer Bergwiese verstreut, in einen Bergbach geschüttet der murmelnd zu Tal fließt oder in einem heliumgefüllten Ballon davonfliegen, der in der Höhe platzt, sodass die Asche dann sanft zu Boden rieselt und sich auf einer größeren Fläche verteilt…
Ascheverstreuungen sind leider nicht die wunderbare Einswerdung mit der Natur, die wir uns vielleicht vorstellen, wenn ein Werbeflyer oder eine Webseite darüber in freundlichen Worten schreibt und verschiedene Verstreuungsvarianten anbietet. In Deutschland ist es bisher nur auf ganz wenigen Friedhöfen erlaubt. Deshalb werden Ascheverstreuungen vor allem im Ausland durchgeführt, das heißt, die Asche muss zunächst dort hin transportiert werden.
Ascheverstreuungen haben den Vorteil, dass es dann kein Grab gibt, um das man sich kümmern muss – eine Überlegung, die viele Menschen sich machen, wenn Angehörige weit weg wohnen oder ein Grab als Erinnerungsort nicht mehr als notwendig erachtet wird. Jedoch gibt es auf Friedhöfen auch Bereiche für anonyme Urnenbeisetzungen, ohne persönlich zu pflegende Grabstelle.
Warum Asche verstreuen aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll ist
Kremierungsaschen sind mitnichten solche weichen, pudrigen Aschen, die man findet, wenn ein Lagerfeuer verlischt. Kremierungsaschen bestehen aus sandartig fein vermahlenen Knochenfragmenten, Holzasche, sowie unter Umständen Partikel von verbranntem Plastik, Metallteilen und anderen Materialien aus dem Sarg.
Menschen nehmen im Laufe ihres Lebens durch Nahrung oder Atemluft Schwermetalle auf, einige sind als Spurenelemente lebensnotwendig. Die Menge ist abhängig von den Lebensumständen. Manche Menschen haben Chemotherapien oder starke Medikamente aufgenommen. All diese Stoffe werden zum Teil im Körpergewebe gespeichert und gehen somit bei Verbrennung in die Asche ein. Auch Plastikteile und Polyesterstoffe im Sarg und im Körper vorhandene Endoprothesen verbrennen nicht schadstofffrei.
Krematorien in Deutschland sind mit Luftfiltern ausgerüstet. Diese Filter schützen uns vor den sehr giftigen Stoffen, die in den Verbrennungsabgasen enthalten sind. Sie werden deshalb nach Nutzung in Giftmüllendlager gebracht. Ein Teil der Giftstoffe ist aber natürlich auch in der Asche enthalten. Kremierungsöfen erzeugen sehr hohe Temperaturen (bis zu 1200°C), bei denen aus dem Material des Ofens und seiner Wärmeisolierung Schwermetalle herausgelöst werden. Dabei entstehen hochgiftige Chrom(VI)-Verbindungen, die krebserzeugend, erbgutverändernd und sehr gut wasserlöslich sind. Sie kommen unter natürlichen Bedingungen äußerst selten vor und gelangen durch menschengemachte Abfälle und Abwässer in die Umwelt. Sie stellen eine besondere Gefahr für Böden und Gewässer dar, sind tödlich für Wasserorganismen und hemmen in Pflanzen das Wurzelwachstum. In sauren Böden kann Chrom(VI) gebunden werden, in neutral bis alkalischen Böden hingegen kaum oder gar nicht.1 Außerdem wird der Nährstoffgehalt des Bodens beeinflusst, das kann vor allem in fragilen Biotopen wie Dünenlandschaften, Bergwiesen und Bergbächen negative Auswirkungen haben, vor allem für empfindliche Wasserlebewesen, die auf saubere Gewässer angewiesen sind. Ein Großteil der Gewässer in Deutschland befindet sich ohnehin immer noch in einem schlechten bis sehr schlechten Zustand.2
Und nun?
Um den pH-Wert zu neutralisieren, müssten Kremierungsaschen mit Humus gemischt werden, jedoch sind Totenaschen in Deutschland gesetzlich geschützt, sie dürfen nicht geteilt werden. Ascheverstreuung ist im Einzelfall sicher kein großes Problem, aber wenn es sehr häufig gemacht wird, oder die Asche im Ganzen an einer Stelle ausgeschüttet wird, ist das aus ökologischer Sicht einfach keine gute Idee.
Und ein abschließendes Wort zu Luftballons: Selbst wenn sie aus Naturkautschuk bestehen, zersetzen sie sich nur sehr langsam. Sie bleiben zusammen mit Verschlüssen und Schnüren als Müll an der Stelle liegen, an der sie zu Boden fallen und landen sehr häufig in den Mägen von Wildtieren, die daran sterben. Gerade wenn man Naturverbundenheit empfindet, sollte man Luftballons also in keinem Fall und zu keinem Zweck fliegen lassen. Auch wenn es in diesem einen Moment schön aussehen mag.
- Quelle: Evaluierung von Ausmaß und Ursachen einer Schadstofffreisetzung aus Urnen in Bestattungswäldern, Abschlussbericht, Ressortforschungsplan des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Forschungskennzahl 3716 71 212 0 FB000225, TEXTE 142/2019 Umweltbundesamt, 2019 ↩︎
- BMUV/UBA 2022. Die Wasserrahmenrichtlinie – Gewässer in Deutschland 2021. Fortschritte und Herausforderungen. Bonn, Dessau. ↩︎










