Hinter kreiswärts steht ein Autor:innen-Kollektiv aus Wissenschaft und Praxis.
Wir begrüßen die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit zu jedem Zeitpunkt bevor der Ernstfall eintritt, wenn wir mit klarem Blick genauer hinschauen und gute Entscheidungen treffen können.

Anja Nitschke
Initiatorin von kreiswärts
Als Historikerin habe ich mich mit Bestattungsriten aus aller Welt und allen Zeiten beschäftigt, weil sich darin zeigt, welchen kulturellen Bezug menschliche Gesellschaften zu ihren Lebensräumen haben. Abschiedsrituale, die den Körper auf direkte Weise in natürliche Kreisläufe zurückgeben, erzählen andere Geschichten als Rituale, die den Körper konservieren.
An dem Tag, als mein Vater starb, stand ich nicht mehr vor der theoretischen Frage, wie man jemanden zu Grabe trägt, sondern vor der praktischen Frage, welche Möglichkeiten ich in Deutschland habe, das mit möglichst geringem ökologischem Fußabdruck machen zu können. Ich habe mich auf die Suche begeben und in vielen Gesprächen und Recherchen erfahren, dass nachhaltig Bestatten gar nicht so einfach ist, weil der „Standard“ in Deutschland ganz anders aussieht und die Herausforderungen komplex sind. Mit kreiswärts möchte ich Wissen weitergeben, Denkprozesse und Veränderungen anstoßen.

Frederike Dirks
Referentin für Bestattungskultur, Autorin und Co-Kreatorin von kreiswärts
Während meines religionswissenschaftlichen Studiums hat sich das Thema Tod & Bestattung recht früh als mein Herzensthema herausgestellt. Ab dem Moment in dem mir klar wurde, wie viele Menschen allein in Deutschland jährlich sterben, konnte ich die damit einhergehenden Folgen für unsere Umwelt nicht mehr ausblenden.
Da die meisten Menschen sich nur in dem Moment mit Bestattung auseinander setzen, in dem sie davon betroffen sind, haben sie sich über das Thema Nachhaltigkeit rund um den Tod selbstverständlich noch keine Gedanken gemacht und haben in der emotionalen Notsituation dafür keine Ressourcen. Aus diesem Grund ist die Aufklärung besonders wichtig, damit wir der Überforderung, die das Versterben unserer Liebsten mit sich bringt, auf nachhaltige Weise entgegenwirken können.

Jana Paulina Lobe
Autorin und wissenschaftliche Beratung von kreiswärts
Es begann mit einer Plastikblume auf dem Kompost. Schon während meines kulturwissenschaftlichen Studiums interessierte mich, wie Menschen mit Erinnerung und Vergänglichkeit umgehen. Bestattungspraktiken geben Aufschluss darüber, wie Menschen ihr Verhältnis zur Umwelt und zu ihren gelebten Werten ausdrücken.
Die Plastikblume führte mir vor Augen, wie eng Nachhaltigkeit und Sepulkralkultur miteinander verbunden sind: Beide fragen danach, was bleibt – in den Spuren, die wir hinterlassen, und in den Wirkungen unseres Handelns. Im Zuge der Recherchen zu meiner Masterarbeit „Ein Tod mit Bio-Siegel“ wurde mir bewusst, wie herausfordernd das Auffinden und Einordnen „nachhaltiger“ Alternativen sein kann und wie stark systemische Zwänge und rechtliche Rahmenbedingungen das deutsche Bestattungswesen prägen. Der Bedarf an zugänglichem Wissen ist groß. Deshalb ist es mir – auch im Rahmen meiner Promotionsforschung zu kulturellem Engagement in der Sepulkralkultur – wichtig, dass akademische Erkenntnisse den Elfenbeinturm verlassen und dort verfügbar sind, wo sie Denkanstöße geben, und Menschen befähigen können, auf Grundlage ihrer Bedürfnisse informierte Entscheidungen zu treffen.
