offenes Grab
Foto Frederike Dirks

Der Weg in die Erde: Was eine Erdbestattung ausmacht

von

·

·

,

Eine kurze Einordnung für die Bedingungen und Abläufe rund um die Erdbestattung auf deutschen Friedhöfen. Neben den rechtlichen Grundlagen wird der Weg einer verstorbenen Person vom Sterbeort bis in die Erde sowie die Basis der Zersetzungsprozesse erläutert.

Gesetzliche Grundlagen auf deutschen Friedhöfen

Die Bestattungsmöglichkeiten in Deutschland, neben Pilotprojekten wie der Humankompostierung, teilen sich in zwei zulässige Hauptverfahren: in Erd- und Feuerbestattung. Während die Feuerbestattung Grundlage für verschiedene Beisetzungsmöglichkeiten ist, wie zum Beispiel eine Seebestattung oder die Beisetzung in einem Bestattungswald, ist die Erdbestattung in Deutschland an den Friedhof gebunden. 

Generell gilt in Deutschland eine Friedhofs- und Sargpflicht. Die Friedhofspflicht kann zum Beispiel für eine Seebestattung ausgesetzt werden. Aber für die Sargpflicht ist aktuell nur eine Lockerung aus religiösen Gründen möglich.

Friedhöfe bieten für Sargbeisetzungen verschiedene, meistens zwei Grabarten an, die sich vor allem in der möglichen Nutzungsdauer unterscheiden. Bei den sogenannten Reihengräbern ist die Nutzungsdauer festgelegt, während Wahlgräber eine flexible Nutzungsdauer haben.

Die Nutzungsdauer beinhaltet die vorgeschriebene Ruhefrist, welche den notwendigen Zeitrahmen umfasst, der nötig ist, um die vollständige Zersetzung des Körpers zu gewährleisten. Diese Ruhezeit wird von jedem Friedhof selbst festgelegt, je nach Bodenbedingungen. Regelzeiten belaufen sich für den Zersetzungsprozess in der Regel auf ca. 20-30 Jahre.  

Vom Sterbeort bis in die Erde

Nach der Abholung vom Sterbeort, auch Überführung genannt, wird die verstorbene Person in der Regel im Beerdigungsinstitut kühl gelagert, geschwaschen, hygienisch versorgt und eingekleidet – in eigene Kleidung oder z.B. ein Totenhemd. Wie diese Versorgung aussieht, kommt ganz auf die Absprache mit den An- und Zugehörigen an.

Darauf folgt die Einbettung der eingekleideten Person in den Sarg: Der untere Sargteil wird mit einer Folie bedeckt und mit Holzwolle ausgepolstert, dann durch ein Tuch oder einen sogenannten Sargausschlag abgedeckt. Ein mit Holzwolle gefülltes Kissen, dient der Kopfablage und eine wattierte Decke bedeckt anschließend den Körper der verstorbenen Person. 

Nach der Schließung des Sarges kann dieser auf dem Friedhof beigesetzt werden.

Bei einer Erdbestattung, z.B. in einem Einzelgrab, wird der Sarg ca. 1,80 m in den Erdboden hineingelassen, diese Vorschrift hat unter anderem hygienische Gründe sowie die Sicherung der pietätvollen Leichenruhe — so kann sichergestellt werden, dass keine Gerüche an die Oberfläche gelangen und größere Tiere das Grab nicht aufscharren.

Verwesungsprozesse

Mit Hilfe von Sauerstoff und körpereigenen Enzymen, Bakterien sowie Mikroorganismen kommt der Verwesungsprozess, der im Kühlraum des Beerdigungsinstituts verlangsamt wurde, jetzt richtig in Gang. Tiere, wie Würmer und Käfer spielen in dieser Tiefe übrigens keine Rolle, denn sie leben in der oberen Bodenschicht, d.h. in ca. 10-50cm Tiefe.

Wie optimal der Zersetzungsprozess des Körpers, des Sarges und der anderen Materialien abläuft, hängt stark von den Bodenbedingungen des Friedhofes, aber auch von den genutzten Materialien (Holz und ggf. Lackierung des Sarges, Material der Bestattungswäsche, Kleidung der Person) ab. Sandig-saurer Erdboden ist ideal, lehmig-feuchte Böden nicht. Häufig liegt die Bodenqualität irgendwo zwischen diesen beiden Zuständen, doch durch schweres Gerät für den Grabaushub und die ständige Neu-Bepflanzung der Grab- bzw. Grünflächen wird der Boden immer weiter verdichtet. Sauerstoffdurchlässigkeit wird verringert und das Risiko von Staunässe steigt. Bei zu hoher, ständiger Feuchtigkeit im Boden kommt es zu sogenannten Verwesungsschwierigkeiten oder auch Verwesungshemmung und im schlechtesten Fall zu Wachsleichen.

Neubelegung von Gräbern

Auf deutschen Friedhöfen gilt in der Regel eine Neubelegung der Gräber nach der vorgeschriebenen Ruhefrist. Dies hat unter anderem den großen Vorteil, dass die Friedhofsflächen nicht immer weiter ausgebaut und erweitert werden müssen. Besonders in Ballungsräumen, aber generell in Deutschland würde dies sonst zu einer Flächennot führen. Dieses Prinzip hat sich als praktikabel, nachhaltig und sinnvoll erwiesen.
Befinden sich bei der Aushebung eines Grabes noch Reste von Skelett oder Sarg in der Erde, werden diese aus der Erde entfernt, bleiben aber auf dem Friedhof. Entweder werden sie in das geöffnete Grab zurückgegeben und mit Erde bedeckt oder an einem anderen, für Reste vorgesehenen Ort auf dem Friedhof begraben. Folien, synthetische Stoffe und alles was aus Plastik oder Metall besteht, muss im Müll entsorgt werden.

Was kann ich tun?

  • Bestattungsvorsorge abschließen
  • einfachen unlackierten Holzsarg wählen
  • Baumwollbekleidung oder Totenhemd als letztes Kleidungsstück wählen
  • mehrjährige Grabbepflanzung wählen

Unterstützen

kreiswärts ist unabhängig. Wir haben keine zahlenden Werbepartner. Daher freuen wir uns über eine kleine oder große, einmalige oder regelmäßige Unterstützung.