Entsorgungslösung Kremation – eine Sackgasse?
In den letzten Jahrzehnten haben sich immer mehr Menschen für eine Feuerbestattung entschieden. Aktuell liegt die Kremationsquote in Deutschland bei etwa 80%, Tendenz steigend. Damit hat sich das prozentuale Verhältnis zwischen Feuer- und Erdbestattung seit den 1950er Jahren im gesamtdeutschen Durchschnitt gedreht.
Die Kremation gilt als sauber, platzsparend und zeitgemäß. Die im Anschluss möglichen Urnenbestattungen sind meist kostengünstiger, pflegefrei und können in Bestattungswäldern stattfinden. Die Zugehörigen sind beim Entgegennehmen der Urne oft ungläubig, dass diese drei Kilo alles sein sollen, was übrig geblieben ist. Welche ökologisch problematischen Stoffe im Kremationsprozess noch entstehen, das schauen wir uns hier an.
Was im Verbrennungsprozess übrig bleibt
Bei der Verbrennung eines menschlichen Körpers entstehen nicht nur Asche und Rauch, sondern auch hochproblematische Rückstände. Ein Teil davon landet in speziellen Filtern, die giftige Stoffe aus den Abgasen herausziehen – unter anderem Quecksilber, das in Zahnfüllungen (Amalgam) enthalten ist. Diese sogenannten Filterstäube gelten als gefährlicher Abfall. Sie dürfen nicht einfach entsorgt werden, sondern müssen unter strengen Auflagen in speziellen Untertagedeponien gelagert werden.1
Hinzu kommen Rückstände aus dem Ofen selbst: Bei der regelmäßigen Reinigung der Brennkammern lösen sich Anhaftungen, die teilweise stark mit Chrom(VI) belastet sind – ein krebserregender Stoff. Auch diese Materialien gehören zum Sondermüll und erfordern eine gesonderte, kosten- und energieintensive Entsorgung.2
Spezialisierte Entsorgungsunternehmen stellen den Krematorien blaue Fässer zur Verfügung, in denen der Sondermüll gesammelt wird. Anschließend werden sie sicher verschlossen in Untertagedeponien zusammen mit kontaminierten Abfällen der Chemieindustrie eingelagert.

Der Energieverbrauch der Öfen
Kremationen sind nicht nur stofflich problematisch, sondern auch energieintensiv. Ein einzelner Verbrennungsvorgang erfordert Temperaturen von über 850 °C für mindestens 90 Minuten. Um einen menschlichen Körper zu verbrennen, werden im Schnitt zwischen 2,5 und 3 m³ Erdgas benötigt – das entspricht etwa der Energiemenge, die ein Auto auf rund 800 Kilometern verbraucht.3
Und das ist nur der Anfang: Die Anlagen müssen zusätzlich vorgeheizt werden. Filteranlagen und Rauchgasreinigung brauchen Strom und Additive – meist Gemische aus Aktivkohle und Kalk, die ebenfalls produziert, transportiert und später entsorgt werden müssen. Auch diese Additive binden toxische Gase und Schwermetalle aus den Abgasen und landen am Ende im Sondermüll.
All das bedeutet: Die Kremation ist energieintensiv und erzeugt einen signifikanten CO₂-Fußabdruck. Nach Berechnungen der Green Burial Council entstehen bei einer einzelnen Feuerbestattung durchschnittlich 160 bis 250 Kilogramm CO₂. Hochgerechnet auf weltweit etwa 70 Millionen Sterbefälle pro Jahr ergibt sich ein beträchtlicher Beitrag zur Klimabelastung.
Kreisläufe in der Energiegewinnung
Die notwendige Abkehr von fossilen Brennstoffen wurde von der Branche erkannt. Einige wenige Krematorien laufen, wie die Öfen von Feuerbestattung Traunstein in Bayern, mit Biogas. Wichtig ist hierbei, dass das Biogas aus Reststoffen oder Abfällen erzeugt wird. Der Anbau von Nutzpflanzen zur Biogasgewinnung geht meist mit einem erheblichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einher.
Das erste CO₂-neutral betriebene Krematorium in Gießen heizt seine Öfen seit 2017 mit Ökostrom. Besonders im Hintergrund von energiepolitischen Machtspielen ist es wichtig, dass diese technischen Innovationen auch flächendeckend zum Einsatz kommen.
Die CO₂-Neutralität des Krematoriums wird über Kompensationsleistungen hergestellt. Vollständig frei von Emissionen sind Bestattungen aktuell nicht möglich, da sowohl bei der Verbrennung als auch im Zuge der Zersetzung des Leichnams bei Erdbestattungen klimaschädliche Gase entstehen. Zum Mengenverhältnis der auftretenden Gase fehlt es an Studien.
Der blinde Fleck im Bestattungsdiskurs
In der öffentlichen Wahrnehmung wird über all das kaum gesprochen. Kremation gilt weiterhin als hygienisch, diskret und ökologisch akzeptabel. Dass dabei Sondermüll entsteht, der aufwendig entsorgt werden muss – oder dass fossile Brennstoffe in großem Stil verbrannt werden –, wird selten thematisiert.
Die Infrastruktur hinter der Kremation erinnert mehr an industrielle Abfallwirtschaft als an einen feierlichen Abschied. Sie besteht aus Filteranlagen, Gasleitungen, Sondermülltransporten, Edelmetall-Rückgewinnung und Luftreinhaltungssystemen. Das alles geschieht im Hintergrund – während vorne Blumen niedergelegt und Reden gehalten werden.
Würde und Wirklichkeit
Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft den Umgang mit dem Tod auch ökologisch reflektieren. Die Kremation ist kein neutrales Ritual, sondern ein technischer Prozess mit deutlichen Nebenwirkungen für Umwelt und Klima. Sie ist ein Produkt des Wandels, den die Bestattungskultur der westlichen Welt in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat.
Filterstäube, Quecksilber, CO₂ und Chrom(VI) gehören zur unsichtbaren Bilanz jeder Feuerbestattung – und fordern uns heraus, diese Praxis kritisch zu hinterfragen. Ziel einer zeitgemäßen Bestattungskultur muss es sein, Alternativen zu etablieren, die kostengünstig, pflegefrei und naturnah sind, ohne dabei in großem Stile die Umwelt zu belasten.
Was kann ich tun?
- Erkundige dich, ob eine Kremation für deinen Bestattungswunsch notwendig ist und informiere dich über Alternativen. Eventuell gibt es naturnahe und pflegefreie Gräber auf Friedhöfen in deiner Nähe.
- Besuche das Krematorium, welches für dich in Frage kommen würde und besprich deine Bedenken.
- Vgl. CRONIMET Cremetal GmbH – Entsorgung von Filterstäuben aus Krematorien: https://www.cronimet-cremetal.com/ ↩︎
- Vgl. REMONDIS Medison – Entsorgungsdienstleistungen für Krematorien: https://www.remondis-medison.de/loesungen/detailseite/entsorgungsloesungen-fuer-krematorien/ ↩︎
- Quelle abgerufen am 06.08.2025 unter: https://connectingdirectors.com/66438-flame-cremation-actual-impact ↩︎









