Die Toten sollen würdevoll bestattet werden. Sie sollen das beste Kleid, den guten Anzug, die geliebte Wanderhose und den Hoody, oder ein Totenhemd mit Rüschen und die Nylonstrümpfe auf der letzten Reise tragen. So wie wir sie am liebsten in Erinnerung behalten wollen, oder mit dem, was sie selbst am liebsten getragen haben.
Wenn wir in unsere Kleiderschränke schauen, besteht die überwältigende Mehrheit der Kleidungsstücke zu großen Teilen aus Kunstfasern wie Polyester, Polyacryl, Nylon, Polyamid oder Mischgeweben. Handelsübliche Totenhemden bestehen oftmals sogar zu 100% aus Polyestersatin. Diese Stoffe können nicht biologisch abgebaut werden und zerfallen einfach nur sehr langsam in kleinere Teilchen, zum Schluss bleibt Mikroplastik. Auch geringe Synthetikanteile in Mischfasern können nicht zersetzt werden.
Synthetik vergeht nicht
Bringt man solche Stoffe per Sargbestattung ins Erdreich, bleiben sie definitiv erhalten. Weder lösen sie sich auf, noch können Kleinstlebewesen im Boden etwas damit anfangen – im Gegenteil, sie nehmen Schaden daran. Auch nach Ende der längsten Ruhefrist werden synthetische Stoffe nicht vergangen sein, sondern bleiben teils als Mikroplastik im Boden und müssen größtenteils ausgegraben und entsorgt werden. Sie können zudem die Verwesungsprozesse beeinträchtigen. Über die Konsequenzen für Friedhöfe werden wir in einem anderen Beitrag genauer nachdenken.
Bei einer Feuerbestattung werden die Plastikfasern verbrannt. Dabei entstehen verschiedene hochgiftige Stoffe wie Dioxine und Benzole. Deshalb werden die Abgase von Krematorien auch durch spezielle Filter geleitet, die letztendlich in Giftmüllendlager gebracht werden müssen. Anteile dieser Gifte sind aber auch in der Asche enthalten.
Wenn die Kleidung uns so lange überlebt und unsere Nachwelt schädigt, sollten wir die Würde der letzten Kleidung ins Licht der Nachhaltigkeit stellen. Am besten sind pflanzliche Fasern wie Leinen, Baumwolle und Hanf geeignet. Wolle und Seide zersetzen sich nicht ganz so schnell, weil sie aus tierischen Eiweißen bestehen. Leder ist zwar ein Naturmaterial, aber es ist keine gute Idee, es im Erdboden zu begraben oder es zu verbrennen. Im Herstellungsprozess werden viele giftige Stoffe eingesetzt, um es haltbar zu machen, deshalb zersetzt es sich nur sehr langsam bis gar nicht und verbrennt mit giftigen Abgasen.
Beim Thema Kleidung müssen wir uns auch Gedanken darüber machen, wie man einen toten Körper ankleidet. Wer schonmal die Erfahrung gemacht hat, einen kranken oder schwachen Menschen anzuziehen, weiß dass es nicht ganz einfach ist. Ein toter Körper ist schwerer als man denkt, das Ankleiden müssen mehrere Personen zusammen durchführen. Auch die veränderte Hautelastizität erfordert besondere Sorgfalt und Vorsicht. Ein dreiteiliger Anzug ist auch für geübte Bestatterinnen und Bestatter eine Herausforderung. Je einfacher die Kleidung anzulegen ist, desto besser.
Die Alternative zu Kleidung: Das Totentuch
Den toten Körper in einen schönen Naturstoff einzuhüllen, ist zum Beispiel in den Niederlanden sehr beliebt. Auch in einem Sarg kann der Körper sehr einfach in ein großes Tuch gewickelt werden. Verschiedene einfache Falt- und Legetechniken können sogar bei der Abschiednahme am offenen Sarg von den Angehörigen als Abschiedsritual ausgeführt werden.
Das Totentuch ist eine sinnbildliche Klammer zum Lebensanfang: Wir werden geboren und als erstes in ein Tuch gehüllt, noch bevor uns Babyjäckchen und -höschen angezogen werden. Warum sollten wir nicht am Lebensende umgekehrt, die Kleidung ablegen und in ein Tuch gehüllt der Erde oder dem Feuer übergeben werden?









