Äpfel und Birnen
Foto von Dmitrii Tarnovski auf Unsplash

„Welche Bestattungsform ist denn dann die nachhaltigste?“

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Ein kleiner Realitätscheck mit Orientierungspotential

Sobald man sich mit Nachhaltigkeit in der Bestattung auseinandersetzt, kommen Menschen auf einen zu und fragen: „Welche Bestattungsform ist denn dann die nachhaltigste?“

Diese Frage kann meines Erachtens nicht einfach so in einem Satz beantwortet werden. Die beiden zum aktuellen Zeitpunkt bundesweit in Deutschland zugelassenen Bestattungsformen – Erd- und Feuerbestattung – haben je verschiedene positive und negative Auswirkungen auf unsere Umwelt. 

Vergleichsproblematik

Doch wie lassen sich zwei Bestattungsarten vergleichen, die sich schon alleine in dem zeitlichen Aspekt extrem unterscheiden: ca. 1,5 Stunden für die Einäscherung vs. mehrere Jahre bzw. Jahrzehnte für die Zersetzungsprozesse bei der Erdbestattung. 

Darüber hinaus benötigt die Feuerbestattung meist fossile Brennstoffe und die Filter sowie Filterrückstände werden in Untertage-Deponien endgelagert. Bei der Erdbestattung hingegen stellen die genutzten Materialien (Sarg, Sargausstattung, Kleidung) und vor allem der Mensch selbst ein gewisses Problem dar, denn so wird der Erdboden und möglicherweise auch das Grundwasser direkt mit z.B. Mikroplastik und toxischen Flüssigkeiten verunreinigt. Wie kann allein dies gegeneinander aufgerechnet werden? 

Und mit diesen Vergleichspunkten sind wir hier noch nicht am Ende angelangt. Warengüter werden gerne als „biologisch“ und dann auch als „biologisch abbaubar“ gekennzeichnet, aber meist fehlt eine genaue Angabe über Material und vor allem auch über die Testprozesse – denn Zersetzungsprozesse im Testlabor entsprechen in der Regel nicht der Realität im Erdboden. 

Ebenso kommt bei der Feuerbestattung natürlich noch die Beisetzung und die Urne selbst hinzu. Bei einer Seebestattung müsste auch der Energie- und Ressourcenverbrauch des Schiffes addiert werden und bei einer Urnenbeisetzung auf dem Friedhof oder im Wald das Material der Urne. Auf der anderen Seite besteht bei einer Feuerbestattung zumindest theoretisch (je nach Gesetzeslage) die Möglichkeit, z.B. künstliche (Metall-)Gelenke oder Ähnliches zu recyceln. Und Recycling ist gerade im Hinblick auf die Ressourcennutzung ein wichtiges Handlungsfeld. 

Bewertungskriterien – aber wie?

Hiermit sind nur einige “Problemfelder” beleuchtet worden, denn das Thema ist komplex. Nur wie geht man damit um, denn ein Vergleich ist vor allem wichtig, wenn man neue Bestattungsarten oder -techniken bewerten möchte? Eine neue Bestattungsform sollte auf keinen Fall schlechter abschneiden, als die bestehenden.

Um dieses Thema anzugehen, hat der Gesundheitsrat der Niederlande1 im Jahr 2020 einen umfassenden Bericht herausgebracht – mit dem Ziel, neue Techniken zu untersuchen. Bei der Untersuchung spielen viele wichtige Themen eine Rolle, wie Würde, Sicherheit, weltanschauliche Perspektiven und eben auch die Nachhaltigkeit. Für letztere müssen folgende Kriterien eingehalten werden: Eine reduzierte Nutzung endlicher Ressourcen, weniger schädliche Emissionen und reduzierte Nutzung des verfügbaren Raumes.

Die Niederlande haben für die mögliche Zulassung einer neuen Bestattungstechnik diese mit den herkömmlichen Techniken anhand einer sogenannten Lebenszyklusanalyse (LCA) umfassend analysiert. Das heißt, es werden vielfältige Messwerte miteinander verglichen, in dem Fall der niederländischen Untersuchung handelt es sich dabei grob gefasst um verschiedene Ökotoxizitätswerte von Boden, Wasser, dem Menschen, Treibhausgasen, Ressourcen usw. Die Darstellung dieser errechneten Ökobilanz erfolgt innerhalb des Berichts mithilfe der Schattenpreis-Methode als Eurowert. Hier wird anhand eines Geldwertes dargestellt, wie viel eine jeweilige Bestattung im Blick auf die Nachhaltigkeit und aufgeteilt auf die verschiedenen Techniken kosten würde – ein reiner Vergleichswert. Die Erdbestattung schneidet hierbei mit 50,83 € am schlechtesten ab, danach folgt mit 48,47 € die Kremation. Nur kurz zur Einordnung: Die von uns bereits vorgestellte Resomation stellt die etablierten Bestattungsarten mit einem Wert von 2,59 € in den Schatten.

Nun lassen sich die Bedingungen in den Niederlanden und Deutschland nicht unbedingt zu 100% vergleichen, aber das grobe Ergebnis lautet: Erd- und Feuerbestattung sind ähnlich schädlich für unsere Umwelt. 

Und nun? kreiswärts macht Hoffnung

Aber wem nützt diese Antwort, wenn wir diese Frage gestellt bekommen? Denn in Deutschland gibt es aktuell eben nur diese beiden Varianten. 

Uns von kreiswärts ist es wichtig, eigene Handlungsfelder aufzuzeigen und nicht Verzweiflung zu schüren. Im Rahmen beider Bestattungsarten besteht sowohl für die Bestattungsbranche die Herausforderung, Materialien und Verfahren zu verbessern, als auch für alle Endverbraucher:innen die Möglichkeit, bessere oder schlechtere Entscheidungen zu treffen. Aber um sich für die „gute Seite“ zu entscheiden, braucht es Wissen und das vermitteln wir gern.


  1. https://www.healthcouncil.nl/site/binaries/site-content/collections/documents/2020/05/25/admissibility-of-new-techniques-of-disposing-of-the-dead/Advisory-report-The-admissibility-of-new-techniques-of-disposing-of-the-dead.pdf ↩︎

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