Pilze leben davon, dass sie totes organisches Material zersetzen. Täten sie das nicht, stünden wir nach kürzester Zeit auf einer meterhohen Schicht von Laub, abgestorbenen Pflanzen und toten Tieren. Pilze ermöglichen gemeinsam mit Bakterien neues Leben, indem sie organisches Material recyclen. Neuere Forschung hat entdeckt, dass Pilze auch Giftstoffe binden und sogar Böden sanieren können.
Meist nehmen wir nur ihre Fruchtkörper zur Kenntnis – mal mit Appetit, mal mit Bewunderung oder lieber mit Abstand. Die große ökologische Bedeutung der Pilze liegt in ihrem Vegetationskörper – dem Myzel, das verborgen im Erdboden sehr schnell wächst und ein dichtes Netz für den Transport von Nährstoffen und Informationen über mehrere Hektar bilden kann.
Ein Sarg aus Pilzen
Eine der bemerkenswertesten Innovationen der Bestattungsbranche wurde 2021 von der Firma Loop Biotech in Delft (Niederlande) entwickelt: Ein Sarg aus Pilzmyzel und Hanffasern. Hanf wiederum ist eine Pflanze, die sehr schnell wächst, wenig Wasser und keine Pflanzenschutzmittel benötigt. Unter den richtigen Bedingungen von Feuchtigkeit und Wärme durchwurzelt das Pilzmyzel in nur 7 Tagen das Hanfsubstrat vollständig und bildet eine sehr dichte und stabile Struktur. Tragegriffe aus Hanfgurten wachsen gleich mit ein. Danach kommt der Sarg in eine Trocknungskammer, dort bildet sich eine samtig-weiche Oberfläche, das Material härtet aus und die Pilze gehen in eine Ruhephase. Wenn der Sarg in die Erde kommt, zersetzt sich das Sargmaterial in einigen Monaten und den darin liegenden Körper in 3-5 Jahren.
Der Pilzsarg ist für Erdbestattung ebenso geeignet wie für die Feuerbestattung, denn er brennt genauso gut wie Holz. Und der Sarg hat noch einen enormen Vorteil gegenüber Holzsärgen: Er ist wasserdicht. Da es keine Kanten oder Spalten gibt, muss man keine Folie hineinlegen, um sicher zu sein, dass keine Flüssigkeit heraustropft.
Der bisher konkurrenzlose Hersteller hat zudem auch das innovative Sarg-Design mit einer abgerundeten Form entwickelt, das die herkömmliche hartkantige Holzsarg-Anmutung hinter sich lässt. Sinnvollerweise wurde zudem eine Urne aus dem Material entwickelt, denn auch Verbrennungsaschen enthalten Giftstoffe, die von den Pilzen aufgenommen und vielleicht sogar in ungefährlichere Bestandteile zersetzt werden können.
Wachsen dann später Champignons auf dem Grab?
Aus dem Sarg- oder Urnenmaterial werden sicher keine Champignons wachsen, denn dafür wird eine andere Pilzspezies verwendet. Wenn sich aber bei einer naturnahen Grabbepflanzung die Vegetation so entwickelt, dass sich Wiesenchampignons ansiedeln, dann ist das ein Zeichen dafür, dass der Friedhofsboden voller neuem Leben steckt, das sich unter anderem aus wieder verfügbar gemachten Nährstoffen entwickelt.










