Die Wasserkremation auf dem Weg der Zulassung in den Niederlanden
Immer wieder werden neue Bestattungsarten entwickelt, in der Hoffnung, diese in der Zukunft für einen nachhaltigeren Umgang mit Verstorbenen nutzbar zu machen. Eine Idee, die in einigen Teilen der USA, Mexiko, Kanada und Australien bereits zugelassen ist und praktiziert wird, steht nun auch als zukünftige Möglichkeit in den Niederlanden zur Debatte.
Entstehungsgeschichte und Namensfindung
Es handelt sich dabei um die ‚Alkalische Hydrolyse‘, auch bekannt als Resomation, Aquamation oder Wasserkremation, eine Bestattungsart, bei der die Verwesung des Leichnams auf wenige Stunden beschleunigt wird.
Das Verfahren der alkalischen Hydrolyse geht auf den Engländer Amos Herbert Hobsen zurück, der die alkalische Hydrolyse 1888 patentieren ließ. Die moderne Ausführung und das Edelstahldesign des Druckbehälters wurde in den frühen 2000er Jahren von der schottischen Biochemikerin Sandy Sullivan entwickelt, die auch den Begriff der Resomation prägte.
Wie funktioniert eine Resomation?
In der bisher gängigsten Variante wird der Körper in einen Edelstahl-Druckbehälter hineingeschoben, der dann verschlossen und mit einer laugehaltigen Flüssigkeit aufgefüllt wird. Durch das Erhitzen auf ca. 150-180°C lösen sich alle weichen Gewebeteile vom Knochenskelett in der Flüssigkeit auf. Aufgrund des hohen Drucks im Inneren des Edelstahlbehälters wird das Sieden der Flüssigkeit verhindert. Dieser Prozess kann zwischen zwei und sechs Stunden in Anspruch nehmen.
Dabei entsteht eine dunkelbraune Flüssigkeit, welche aus Aminosäuren, Eiweiß, Zucker und Salzen besteht. Die Konzentration der verschiedenen Bestandteile und zum Beispiel auch der pH-Wert dieser Flüssigkeit variieren je nach Körperfett und der Verfahrensdauer. Die Flüssigkeit kann entweder im Abfluss entsorgt oder sogar als Dünger für Pflanzen genutzt werden; dies ist vor allem von den gesetzlichen Regelungen und Zulassungsgenehmigungen der Abwasserentsorgung abhängig.
Als letztes bleiben die sauberen Knochen zurück, diese werden in der Regel zu Knochenmehl zermahlen und können zum Beispiel in einer Urne beigesetzt werden.
Im Vergleich zur Kremierung wird also wesentlich weniger CO2 erzeugt und fossile Brennstoffe kommen hier nicht zum Einsatz. Darüber hinaus entstehen keine Abgase, die gefiltert werden müssen und es wird kein Sarg benötigt.
Kritische Stimmen
Es bleibt nicht aus, dass bei neuen Ideen und Verfahren kritische Stimmen laut werden. Gerade bei den Themen Tod und Bestattung stehen neben sachlichen Gesichtspunkten häufig emotional aufgeladene Aspekte im Vordergrund.
Gerne wird der Begriff der ‚Green Cremation‘ für die Resomation verwendet, da im Gegensatz zur herkömmlichen Kremation ein sehr geringer Kohlenstoffmonoxid-Ausstoß stattfindet. Kritische Stimmen bemerken, dass die entstehende Flüssigkeit neben dem starken Alkalilauge-Gehalt auch mit Medikamentenrückständen und ähnlichen Chemikalien belastet sein könnte.
Beschrieben wird die entstehende Flüssigkeit als steril, selbst die DNA wird während des Verflüssigungsprozesses zersetzt. Grundsätzlich ist zu bemerken, dass durch den heutigen Lebensstil, den Konsum und die medizinischen Möglichkeiten am Ende unsere Körper mit Giften belastet sind. Dieses Problem stellt sich also bei allen Bestattungsarten, zuletzt bleiben gegebenenfalls Stoffe zurück, die sich als giftig erweisen. Ausführlichere Untersuchungen und Statistiken wird es mit einer vermehrten Zulassung der Resomation von menschlichen Körpern sicher in naher Zukunft geben.
Resomation in der Landwirtschaft
Auch wenn die Resomation des menschlichen Körpers noch eine sehr neue Bestattungsart ist, wird sie im Rahmen der Veterinärmedizin bereits seit Längerem genutzt. Bis heute werden vor allem infektiöse, tote Tierkörper aus der Landwirtschaft, die ein Gesundheitsrisiko darstellen, mithilfe der Resomation sterilisiert.
Durch die Laugebehandlung konnte zum Beispiel die BSE-Epidemie unter Kontrolle gebracht werden. Eine Untersuchung darüber, ob und inwieweit dieser Sterilisierungsprozess auf den mit Medikamentenrückständen belasteten menschlichen Körper übertragbar ist, ist aktuell noch nicht verfügbar.
Der Pietätsgedanke & die Bewertung von Bestattungsarten
Recherchiert man zum Thema Resomation, trifft man schnell auf die Frage, ob diese neue Bestattungsart nicht als Entsorgung zu bezeichnen wäre und somit pietät- und würdelos sei. In Deutschland gibt es dazu keine offizielle Stellungnahme, aber in allen Ländern, in denen die Resomation zugelassen wurde, gilt sie als pietätvoll.
Persönliche Meinungen dazu gibt es vermutlich so viele, wie Individuen; selbst bei den in Deutschland zugelassenen Bestattungsarten (Erd– und Feuerbestattung) finden sich verschiedenste ethische Meinungsbilder und emotional aufgeladene Bewertungen. Somit spielen gesellschaftliche, persönliche und auch religiöse Gründe eine große Rolle bei der Akzeptanz von Bestattungsarten. Neues wird häufig kritisch betrachtet, häufig ist die Wortwahl zur Beschreibung der Prozesse von Bedeutung, aber auch das Verbreiten von Falschinformationen. Das Endresultat nach der Resomation unterscheidet sich für die Hinterbliebenen nicht von dem der Kremation.
Ob der Körper nun im Laugenwasser zersetzt wird, bei hohen Temperaturen verbrannt wird oder unter der Erde verwest, scheint aus rationaler Perspektive relativ egal – nichts davon klingt auf romantische Art und Weise schön. Ziel aller Bestattungsvarianten ist, auf die unweigerlich fortschreitende Zersetzung eines toten Körpers angemessen zu reagieren.
Wie geht es in den Niederlanden weiter?
Zurück zu den Niederlanden und deren Bewertung auf der Umweltebene sowie aus ethisch und moralischer Perspektive: Im Mai 2020 wurde durch deren Gesundheitsrat ein Bericht über die Zulässigkeit neuer Entsorgungstechniken für die Toten veröffentlicht. Der Rat schlug hierin einen Bewertungsrahmen der Wasserkremation vor und kam zu dem Schluss, dass diese sicher, würdevoll und nachhaltig sei. Ende des Jahres 2020 gaben die Niederlande bekannt, innerhalb der nächsten Jahre die Gesetzgebung dahingehend zu ändern, dass die Resomation als Bestattungstechnik vollumfänglich möglich wird.


